4 Reality-Checks in der Beziehung, bevor du Schluss machst

FAMILIEPSYCHOLOGIEZUSAMMENLEBEN

In jeder Partnerschaft, die länger als 2,5 Jahre andauert, kriselt es – mal mehr, mal weniger. Bevor man alles hinschmeißt und die wertvolle Beziehung, die man sich miteinander aufgebaut hat, wieder einreißt, sollte man sich die Frage stellen: Ist das, wie ich die negativen Seiten der Beziehung sehe, die Realität?

Oft konzentrieren wir uns auf die negativen Aspekte einer Beziehung und sehen die schönen Seiten gar nicht mehr: Die Liebe, das Vertrauen, die Nähe, alle die Situationen, die man gemeinsam gemeistert hat… Prüfe deinen Geist lieber eingehend, bevor du das Handtuch schmeißt und eine Beziehung zu einem lieben Menschen aufgibst.


Hier sind vier Reality-Checks von Situationen, die oft in langjährigen Beziehungen vorkommen:

Die Wiese des Nachbarn ist immer grüner

Man geht durch die Stadt und da ist ein total schnuckeliger Typ oder eine Wahnsinns-Frau und man fühlt sich sofort zu dieser Person hingezogen. Plötzlich scheint die lange Partnerschaft, in der man lebt, total langweilig, ausgetreten und öde. Man ist genervt von dem, was man hat und das Neue – also der/die tolle Typ/Frau – scheint so unglaublich vielversprechend zu sein.

Reality-Check:

Da machst du dir was vor. Um mit dieser tollen Person zu flirten, müsstest Du alles, was du dir über die Jahre mit deinem jetzigen Partner aufgebaut hast – all das Vertrauen, die Liebe und Innigkeit, die Einblicke in den Charakter des anderen – zerstören. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das klappt und zu einer Beziehung führt, die ähnlich vertraut und liebevoll ist, wie die mit deinem jetzigen Partner? Und auch wenn es so wäre: Nach spätestens drei Jahren Partnerschaft mit der Person müsstest du ebenfalls erkennen, dass du wieder exakt am gleichen Punkt angelangt bist und es müsste abermals ein neuer Partner her. Wie viele neue Partner möchtest du haben? Und wie fändest Du es, wenn dich dein Partner wegen einer anderen Person, die auf den ersten Blick gut aussieht, sitzen lässt? Dieser Reality-Check sollte helfen, dich vom Glamour auf Nachbars Wiese zu heilen.

Mein Partner ist schuld, dass ich mich so mies fühle

Irgendwie verhält sich der andere immer so, wie man es gerade nicht möchte. Oder man erwartet etwas, das der andere schlichtweg nicht erfüllt. Daraus resultiert meistens Frust, Ärger und ein mieser Tag. Wenn sich die miesen Tage häufen, dann kriselt es und es kommt unweigerlich zum großen Zoff. Und das ist ja dann auch berechtigt, weil man würde sich ja nicht schlecht fühlen, wenn der andere alles richtig machte, oder?

Reality-Check:

Falsch. Du bist für deine Gefühle selbst verantwortlich. Ärger ist oft nur eine negative Verzerrung der Realität. Wenn man etwas von seinem Partner erwartet (dass er einen öfter in den Arm nimmt, dass er einem mehr Freiheit gibt, dass man mehr Familienausflüge unternimmt oder dass er einfach mehr abspült), kann man ihm das sagen – und zwar ohne Vorwurf oder Drohung, sondern indem man offen und ehrlich sein Bedürfnis artikuliert. Damit gibt man dem Partner auch die Möglichkeit, nein zu sagen. Aber zumindest ist man in einem offenen Dialog, in dem man für die inneren Prozesse seiner selbst Verantwortung übernimmt. Wenn man beispielsweise möchte, dass man öfter ausgeht und nicht dauernd auf der Couch gammelt, kann man dieses Bedürfnis liebevoll und offen kommunizieren.


Wir haben uns in der Beziehung nichts mehr zu sagen

„Wir haben uns einfach nichts mehr zu erzählen.“ Das heißt, die Luft ist raus, die Faszination am Partner ist weg, man findet die Partnerschaft öde und denkt, den anderen in und auswendig zu kennen. Die Beziehung ist im Alltagstrott angekommen und man fühlt sich, als hinge man dröge in den Seilen. Tja, da kann man eben nichts machen, wenn alles besprochen ist, gibt es nichts mehr zu entdecken.

Reality-Check:

Falsch. Man speichert ein Bild des Partners in der Beziehung ab und macht es dem Partner nahezu unmöglich, aus dieser Konstruktion auszubrechen. So ist es zumeist auch anders herum: Dein Partner hat dich ebenso in einer gewissen Art und Weise abgespeichert. Oft sind es nicht zwei Personen, die in einer Beziehung leben, sondern zwei Projektionen. Und die haben sich nichts mehr zu sagen. Manchmal ist es daher einfach wichtig, sich miteinander hinzusetzen und diese Projektionen zu beleuchten und zu durchbrechen. Erzähle deinem Partner, wie du dich siehst und was du für dich an positivem Drive in die Beziehung bringen möchtest. Und anders herum. Wichtig ist, dass ihr euch in diesem Spiel nicht gegenseitig beurteilt („das ist ja doof, so sehe ich dich gar nicht“ oder „so eine Beziehung möchte ich nicht“), euch angegriffen fühlt und in die Verteidigung springt („was, so siehst du mich?“). Schafft euch in einer guten Minute einfach Raum und spielt dieses Spiel offen und ehrlich  mit einem netten Augenzwinkern. Es ist wichtig, dass das kein ernstes Streitgespräch wird. Das lässt dich den Partner in einem anderem Blickwinkel sehen und wirkt sich erfrischend auf die Beziehung aus.


Es gibt keine sexuelle Anziehungskraft mehr

Leider ist es so: Der Sex lässt ab einer gewissen Länge der Beziehung nach und zwar an Güte, Länge und Häufigkeit. Dagegen kann man nichts machen. Schade! Aber Sex ist wichtig – es bleibt also nur die Möglichkeit, sich einen anderen Partner zu suchen.

Reality-Check:

Falsch. Wenn du einen neuen Partner hast und das Kribbeln weg ist (nach ein paar Jahren wird es sicherlich so sein) wirst du wieder an genau diesem Punkt ankommen, denn der Sex bleibt einfach nicht beständig so aufregend wie in den ersten drei Monaten. Daran wird auch ein neuer Partner auf Dauer nichts ändern. Es ist also besser, aktiv zu werden und selbst dafür zu sorgen, dass wieder mehr Pepp in das Schlafzimmer kommt, wenn du das Bedürfnis danach hast. Sprich mit deinem Partner, probiert mal was anderes aus, nehmt euch wieder mehr Zeit füreinander. Was auch immer – alles ist besser, als die Dinge in einer Beziehung als gegeben zu betrachten.









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